Iceland doesn’t fit a nutshell.

Seit meiner Abreise aus Island sind nun rund sechs Wochen vergangen. Interessanter Weise denke ich trotzdem sehr regelmäßig an meinen Trip in den hohen Norden zurück. Island hat auf mich einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen und ich habe das Land noch lange nicht abgehakt: natürlich komme ich wieder, denn die Nordseite der Insel, die Westfjorde und Teile des Midlands habe ich leider nicht in meine rund 16 Tage Aufenthalt quetschen können. Leider hat mir auch die harsche Jahreszeit einen Strich durch die Rechnung gemacht – ich wollte so gerne die berühmte Mehrtagestour von Landmannalaugar nach Skógar, den Laugavegur (Weg der (heißen) Quellen), machen. Die weiterhin dicke Schneeschicht macht Anfang Juni eine Zufahrt zum Hochland unmöglich. Und per Anhalter wartet man auf die spezialisierten Kettenfahrzeuge leider vergeblich.

Daher gebe ich mich mit dem Trek von Skógar nach þorsmórk zufrieden und breche Mittags vom berühmten Skógafoss auf. Die vielen Touristen hier schauen mich alle mit großen Augen an, denn die meisten Wanderer haben lediglich leichtes Gepäck dabei und erkunden die Umgebung nicht weiter als ein paar Stunden flußaufwärts hoch und runter. Ich hingegen grinse mit meinem dicken Rucksack und meinen Laufstöcken zurück, grüße freundlich und begebe mich auf den anspruchsvollen Weg – ein Weg, der mich auf ein Hochplateau Richtung Norden zwischen den berühmten (weil ausgebrochenen) Eyjafjallajokull und dem westlichsten Ausläufer des Vatnajökulls führt. Also Quasi durch das Tal beider Vulkane.

Recht angenehm beginnt die Tour entlang des beeindruckenden Flusses, dessen Namen ich immer vergesse: mit zahllosen weiteren Wasserfällen, die meiner Meinung nach genauso viel Beachtung durch die Touris verdient hätten, wie ihre große Schwester (aber glücklicherweise nicht bekommen. Sonst wäre das hier ja voller Menschen. Und ich bin doch so gerne alleine in der Natur…)


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Hier lerne ich allerdings schnell, dass die blau gekennzeichneten Pfade wie beim Skifahren für einfache, und die roten für extrem schwere und anspruchsvolle Wanderwege stehen. Ich gehe natürlich unwissend und zielstrebig die roten Pfade entlang, die mich an schmelzenden Eisplatten vorbei, durch matschigen und schwergängigen Schnee hindurch, viele sehr steile Hügel empor führen. Mein Material ist gut und hält die längste Zeit über den widrigen Bedingungen stand. Allerdings gibt auch der beste Schuh irgendwann seinen Geist auf und nach etwa vier Stunden kommt der Moment, an dem ich mich langsam nach einer warmen Hütte umschaue. Hier oben ist von grün nämlich keine spur mehr, und auch die Sonne verschwindet hinter den tief liegenden Wolken und Nebelschwaden. Die Hütten habe ich längst hinter mich gelassen. Eigentlich müsste ich ja über diese Tour lachen, nach all dem, was ich in Ecuador hinter mich gebracht habe. Trotzdem bringt mich das schwere Gepäck, ich habe Zelt, Schlafsack, Isomatte, Gaskocher und Nahrungsmittel sowie ein paar Klamotten dabei, in Kombination mit den Witterungsbedingungen so ganz langsam an meine Grenzen. Nicht eine Menschenseele kreuzt meinen Weg die rote Piste entlang und erst als das Eis so langsam wieder aus meinem Sichtfeld verschwindet, begegne ich einem Kanadier. Ich sei nur noch rund zwei Stunden entfernt von þorsmórk, sagt er. Und es ginge viel bergab. Trifft sich gut, denn bergauf kann ich nicht mehr, und zurück ist keine Option. Außerdem ist es hier überall so unglaublich schön, wenn das keinen Antrieb gibt weiterzumachen, was dann? “Ein Bad in einer der heißen Quellen”, beantworte ich meine rhetorische Frage selbst. Wie sich später herausstellen sollte, bin ich in þorsmórk allerdings noch eine Weile entfernt von heißen Quellen. Als ich mich endlich auf der Zielgeraden befinde und sich die spektakuläre Kulisse von þorsmórk zu meinen Füßen ausbreitet, bekomme ich Gänsehaut (was vielleicht auch der Kälte zuzuschreiben ist) und freue mich wie ein Schnitzel, durchgehalten zu haben. Wie nur hätte ich mit dem Marschgepäck weitere drei Tage durchstehen sollen? Am Camp angekommen stellt sich heraus, dass die meisten Menschen zwei Tage von Skógar hierher einplanen und in einer der Hütten entlang der blauen Pisten übernachten. Ich sei wohl geflogen, schüttelt die Gruppe junger Franzosen ungläubig den Kopf. Aaaaah. Jetzt. Okay. Das erklärt einiges.

Kurze Randnotiz: erneut falle ich dem Irrglauben zum Opfer, dass es sich bei þorsmórk um eine Stadt handelt. Es ist im Grunde genommen gar nichts, außer ein von Bergen umzingeltes ehemaliges Gletscherplateau mit ein paar Hütten. Nichtsdestotrotz, birgt es die bis dato eindrucksvollste Landschaft meiner Reise. Am nächsten Tag begebe mich mich zu einem weiteren Basecamp, von dem aus mich ein Bus zurück in die relative Zivilisation mitnimmt. Ich lerne auf dem Weg allerdings zwei Niederländer kennen, die mir von einer Insel erzählen, die ich mir unbedingt Mal ansehen sollte. Nagut, wieso nicht? Ich habe eh noch ein paar Tage Zeit, nachdem ich ja meinen Laugavegur-Trek nicht gehen kann. Ich lasse mich also in Seljalandfoss absetzen, laufe ein Stündchen und fahre dann per Anhalter an den nahegelegenen Fährhafen, von dem aus es für mich nach Vestmannaeryjar geht. Was für eine Insel: die durch am Meeresgrund emporströmende Lava entstandene, sehr junge Insel hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich. Nicht umsonst nennt man den Ort “Pompeji des Nordens”: rund ein drittel der Landmasse ist erst seit dem letzten Ausbruch des darunterliegenden Vulkans Eldfell, 1973, entstanden, zahlreiche weitere neue Inseln waren das Ergebnis, Tausende mussten fliehen. Es ist unglaublich zu sehen, wie sich unsere Welt eigentlich um Laufe der Zeit geformt haben muss. Island ist ein Fernrohr ins Kambrium unserer Erde: Wie sonst nirgendwo sonst kann man den Urzustand unseres Planeten hautnah miterleben. Auf der kleinen und höchst charmanten Insel Vestmannaeryjar gibt es zum Thema auch ein spannendes Museum. Wer sich für Vikinger interessiert, kann hier Nachbauten klassischer Vikinger-Häuser bestaunen. Davon abgesehen dient die Insel als zweitwichtigster Hafen für die Fischerei – an den Docks liegen daher zahllose Fischerboote an und wenn man auf das raue Meer hinausblickt, wird einem klar, dass “Walter Mitty” die extreme Realität von Fischern hier in Island abbildet.

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Ich könnte stundenlang weiterschreiben und euch von Island erzählen. Stattdessen möchte ich das Kapitel hier im Blog mit einem kleinen Recap-Video abschließen. Viel Spaß damit!

Ich werde natürlich auch weiterhin reisen und lasse euch gerne daran teilhaben. Nachdem ich allerdings inzwischen in Melbourne eingetroffen bin, und für 18 Monate erstmal einigermaßen festen Boden unter den Füßen gefunden habe, wird mein Blog natürlich nicht mehr ganz so gepflegt. Über neue Einträge informiere ich euch selbstverständlich rechtzeitig.

 

 

 

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