Alaaf, Helau!

Nun, ich bin jetzt in Bolivien. Ihr wisst schon, das Land in dem die Olivenbäume wachsen (“Einhundert Leute haben wir gefragt: nennen Sie ein Land, in dem Olivenbäume wachsen” – “Euhm… Bolivien?”). Bevor ich aber anfange euch von hier zu erzählen, muss ich noch Peru abschließen. Sonst unterschlage ich wieder was, wie ich schon vergessen habe von Nascar und den Nascar-Linien zu erzählen (in kurz: ich war da und es war sehr schön. Der Flug über die Linien ist mit 80 Dollar nicht nur verhältnismäßig teuer und ganz schön stressig – “jetzt hier Links gucken! Oh, schon vorbei… Jetzt rechts!!” – er ist auch noch ziemlich uninformativ. Sonst schon schön, diese Linien, über die eigentlich keiner wirklich was weiß und die auch gut und gerne ein Kunststudent in den Achzigern hätte in den Boden gravieren können).

Mein letzter Stop in Peru bildet die Hafenstadt Puno, deren Boote allerdings nicht im Meer, sondern im Titicacasee anlegen. Puno selbst ist stinklangweilig und darüber hinaus super arm, aber dafür kommt man von hier aus schnell zu den Floating Islands. Wie es der Zufall so will lebt die Familie des Hostel-Managers in Puno (Incas Rest) auf einer der Inseln, weswegen wir eine private Tour versprochen bekommen. Das Geld drücken wir beim Ankommen direkt der Mutter in die Hand, keine Agenturen, kein Massenandrang. So gebe ich die 35 Soles ehrlich gesagt auch viel lieber aus.

Per Kleinboot treiben wir auf die Inseln zu, die zunächst wie völlig stabile Plattformen aussehen. Die Strohhütten und größeren Boote, und eigentlich das ganze Setting, wirken wie in einer Wikingerstadt. Erst an “Land” angekommen erfahren wir, dass die Insel auf der wir uns befinden aus rund 20 gewaltigen schwimmenden Erd- bzw. Lehmklötsen besteht, die mit Stroh versehen zusätzlichen Auftrieb bekommen. Mei, jetzt packt die Mutter, Maria, kleine Modell-Häuser aus, um das nochmal zu veranschaulichen. An den Seiten sind die schwimmenden Inseln mit Ankern im Untergrund befestigt – bei starkem Wind oder Sturm besteht also das Risiko, dass die Inseln über die bolivische Grenze des Titicacasees abtreiben, so Maria. Das sei nicht so gut, schließlich hätten sie gar keine Pässe. Wir erfahren so allerhand über das Leben hier und bekommen genug Zeit um das Dorf zu erkunden. Auf dieser, einer von 80 Inseln, leben fünf Familien. Die Männer gehen ganztags Fischen, die Frauen weben, basteln und Stricken Zeug. Strom ist den Eingeborenen aber nicht unbekannt: mehrere Photovoltaik-Anlagen speisen tagsüber Energie. Ich bin absolut fasziniert von den Floating Islands, ich meine: warum sollte man sich so isolieren?

Noch am selben Tag geht es endlich nach Bolivien: mit dem Bus ins rund fünf Stunden gelegene (achtung!) Copacabana. Weit nach der Grenzüberquerung werden wir natürlich noch vom Militär angehalten, dass unsere Personalien sicherheitshalber nochmals checkt. Als ich aus dem Fenster blicke uns sehe, wie ein Soldat den Koffer eines Verdächtigen wie im schlechten Film förmlich auseinander nimmt, schwarnt mir nichts Gutes. Wir können aber weiter, bzw. nicht bevor der arme Japaner neben mir, der das ganze mit seinem iPhone festhalten wollte nochmal aus dem Bus gezerrt und zur Sau gemacht wird (ist ja nicht so, dass er spanisch versteht), er solle das Foto gefälligst sofort löschen!

Die sensationelle schöne Busfahrt mündet in Copacapana, hier genießt man vom Hotel Mirador für sechs Dollar die Nacht einen wahnsinns Ausblick aufs Meer. Ne Moment, das ist ja immer noch der Titicacasee, nur ist der eben ziemlich, ziemlich, ziemlich groß. Und mit etwa 3800 Metern überm Meeresspiegel auch der höchstgelegene See der Welt. Hier gibt es leider keine Tauchbasen, das wäre aufgrund des geringeren Sauerstoffanteils im Blut definitiv Mal ein Erlebnis. Achja, ich habe bisher unterschlagen, dass hier Karnevalssaison ist. Das bedeutet wie bei uns auch, verkleiden, feiern, tanzen und sich gegenseitig mit Schaum bespritzen oder mit Wasserbomben bewerfen. Die Menschen sind fröhlich und ausgelassen und ich freue mich ja für sie. Aber im Hotel Mirador bedeutet das: Kinderfasching, und zwar schreiende und weinende Kinder den ganzen Tag. Das sind natürlich die 5000 Kinder der 200 Putzfrauen, die einen Teufel tun um ihre Sprösslinge im Zaun zu halten. Das wäre ja auch alles nicht so schlimm, wenn man den Tag draußen verbringen würde, wie es sich gehört. Aber das bringt mich leider zu folgende Geschichte:

In dem kleinen Dorf wage ich mich seit längerem Mal wieder an eine Pizza heran und fliege natürlich wieder (wie in Mexiko schon mit Pizza) komplett auf die Fresse: Lebensmittelvergiftung. Eine katastrophale Nacht, einen semikatastrophalen Tag und eine etwas weniger katastrophale Nacht im Bett später traue ich mich wieder aus dem Haus (der Aufenthalt im Mirador war leider aufgrund der vorangegangenen Beschreibung eher weniger erholsam) und fahre mit dem Boot auf die berühmte, weil unglaublich idyllische, Isla del Sol. Ich werde nicht enttäuscht, alleine der Hinweg entblößt sich als Offenbarung für die Augen: der See und die schneebedeckten Gebirgszüge der Anden in der Ferne sind einfach unschlagbar. Dafür leidet man doch etwas lieber in puncto Essen.

Die Insel selbst ist relativ klein, man kann vom Norden in den Süden prima in drei Stunden wandern und kleinere Inka-Ruinen entdecken. Unterkünfte gibt es in allen Variationen von rustikal bis zu äußerst rustikal. Ich erwische ein rustikales Hotel mit direktem Blick auf das Wasser, von West- und Ostseite aus. Wenn man hier Wifi oder warmes Wasser hätte, könnte man hier prima eine Weile bleiben und die Aussicht genießen. Ach und wenn das Essen etwas besser schmecken würde. Ich leide hier wirklich…

Am nächsten Tag geht es zurück, via Copacabana direkt nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens (übrigens die höchstgelegene Hauptstadt der Welt). Hier verbringe ich dank der top Beratung zweier Argentinierinnen in einer superhyperkatastrophalen Absteige eines “Hostels” ohne Strom im Zimmer, bevor ich am nächsten Morgen gleich beschließe mich doch lieber auf Hostelworld.com zu verlassen und umzuziehen. Ich komme im “Pirwa” unter und bin begeistert; tolle Einrichtung, Atmosphäre, Service, saubere Räume. Hier bleibe ich. Weil ich endlich wieder anständig Essen möchte schreibe ich mir die Top 15 Tripadvisor Restaurants raus und suche gleich noch am Abend das “Moustache” auf. Ich werde nicht enttäuscht und schlemmere was das Zeug hält.

Zu La Paz kann man sagen: die Höhe ist hier bei jedem Schritt trotz langsamer Akklimatisierung deutlich zu spüren. Zumindest wenn es Aufwärts geht. Hier frage ich mich schon, wie ich es geschafft habe zwei Vulkane mit Marschgepäck zu besteigen: ich gehe permanent eine Sauerstoffschuld ein, die ich zwar schnell zurückzahle, aber ich fühle mich trotzdem wie 80. Mag auch sein, dass ich noch etwas geschwächt bin. Hilfreich sind allerdings die zahllosen kleinen Minibusse, die Collectivos, die als Öffentliche Verkehrsmittel fungieren. Man muss sich das wie einen gewaltigen horizontalen Patanosta-Aufzug vorstellen: die Busse fahren ganz langsam in schier unendlichen Kollonnen die stark befahrenen Straßen entlang, die Türen sind jederzeit offen und bei Bedarf springt man einfach rein und raus. Viele sagen ja La Paz sei die Stadt mit dem größten Risiko von Taschendieben beklaut zu werden und ich kann das nur unterschreiben: etwa eine Stunde nach Ankunft spinge ich nur ganz kurz aus einem Collectivo um Platz zu machen, stehe mit dem Rücken zum Gehweg und schwupps spüre ich einen Ruck an meiner Jeans: der Idiot wollte an meine Geldtasche, hat nur leider übersehen, dass sie an ihren diebstahlsicheren Schlaufe befestigt war. Nicht mit mir! Ich schau dem Typen hinterher und er schreit nur gaaanz unauffällig “be careful, be careful!”.

Wie auch immer. Hab heute die berüchtigte “Death Road” überlebt. Den ausführlichen Bericht gibts nächstes Mal.

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