Dies ist kein Halbzeitpfiff

Vor fast vier Monaten bin ich in Deutschland aufgebrochen und es ist an der Zeit meine Zeit hier ein wenig Revue passieren zu lassen: noch immer ist es so, dass mir das hiesige Gewöhnliche Besonders scheint, dem Allgegenwärtigen Schönen werde ich immer noch aufs Neue gewahr. Gott bin ich heute poetisch. Menschen hier fahren mit geschlossenen Augen am Sonnenuntergang vorbei, für mich ist er ein Augenöffner. Ich verliebe mich an jedem Ort neu und jeder Ort tut sein Bestes und Einfachstes um mich zu fesseln. Ständig kämpfe ich gegen den Drang hierzubleiben und pausenlos erlöst mich der nächste Ort von dem Gedanken. Ich lasse überall einen kleinen Teil von mir, in dem Wissen, dass ich hier voraussichtlich niemals zurück kehre. Ich habe es schonmal gesagt, aber meine Zeit hier ist einfach viel zu knapp bemessen. Was mein Spanisch so macht? Dem geht es ganz gut, danke der Nachfrage. Aber zurück zu den ernsteren Themen.

Nicht nur die vielen Orte bleiben mir in Erinnerung: ich habe Familien getroffen, die gemeinsam für drei Jahre die Welt umsegeln, Pärchen, die mit 20 ihre Flitterwochen in Belize feiern, Menschen, die beim Backpacken ihre große Liebe getroffen haben und einfach bleiben, frisch Verheiratete, die ihren zweijährigen Sohn sorgenfrei mit in den Amazonas schleppen, Aussteiger, Einsteiger, Flüchtlinge, Einwanderer, Auswanderer, Bosspacker, Low-Budget-Fanatiker, Hipster, Hippies, Drogies, Drogenbosse, Surfer, Trubadure, verirrte Seelen und Leute, die ihrer Bestimmung folgen, Gutmenschen und Asoziale, glückliche Menschen, traurige Menschen und neugierige Menschen. Viele hemmungslose Menschen (vorzugsweise Japaner mit Tequila in der Hand) aber auch schüchterne Menschen kreuzten meinen Weg (vorzugsweise Japaner), und unzählige vertrauensvolle Menschen, die mir ohne mich zu kennen ihre tiefsten Geheimnisse Preis gaben. Jede Busfahrt, jedes Einchecken im Hostel, jeder Gang auf die Straße offenbart neue Begegnungen und neue Abenteuer und es scheint Glück oder Zufall zu sein (was im Wesentlichen das selbe ist, nur mit einer neutralen Conotation), dass ich permanent auf Menschen stoße, die mich entlang meines Weges bei jeder Abzweigung im allerbesten Sinn in die richtige (oder eine richtige, um weniger pathetisch zu klingen) Richtung stoßen. Ich möchte keinen Menschen, keinen Umstand und keinen Fehler missen und freue mich auf die zweite Hälfte meiner Reise. Diese hält zumindest planmäßig die Südhälfte Perus, Bolivien, Chile, Argentinien, Brasilien, Kuba und Antigua für mich bereit. Wo ich eigentlich gerade bin fragt ihr?

Nach einer weiteren Woche in Lima, in der die Deutschland-Crew aus Cusco und ich in den schönsten und besten Restaurants der Stadt die für deutsche (Münchner) Verhältnisse recht günstigen Karten rauf und runter gegessen haben (bestes Sushi, bestes Ceviche und bestes Steak meines Lebens!), bin ich nun in Pisco gelandet, bzw. genauer gesagt in Paracas – dem cooleren Pendant zu Pisco, mit einer hipperen Crowd und einem direkten Zugang zum gleichnamigen Nationalpark. Hier lernt man im Naturkundemuseum Vieles über die prägende Plattentektonik der Region und allerhand weitere interessante Informationen. Etwa, dass wir uns in der trockensten Region der Atacama-Wüste befinden. Hier regnet es praktisch nie. Wir besuchen die steil abfallende Küste und fahren mit dem Speedboat zu der nur eine halbe Stunde entfernten Islas Ballestas, wo uns riesige Seelöwen, Pinguine und zahlreiche Blaufußtölpel lautstark begrüßen. Hier sehe ich auch zum ersten Mal, wie Vögel mit 45 Km/h aus der Luft ihre Beute im Wasser ausmachen, im Sturzflug ins Meer tauchen und sich anschließend genüsslich an der Wasseroberfläche mit einem Fisch im Schnabel treiben lassen und erstmal snacken.

Am nächsten Tag geht es für mich nach Huacachina weiter, einer kleinen Oase inmitten den langgezogenen Sanddünen der Atacama-Wüste. Genaugenommen liegt in Sichtweite die nächstgrößere Stadt Ica, um die man aber aufgrund der Tatsache, dass es dort absolut nichts zu sehen gibt, gleich einen riesen Bogen machen kann. Dafür ist die Oase umso spektakulärer, befindet sich doch im Zentrum der 180-Einwohner-Einöde ein kleiner, glasklarer Weier. Natürlich ist auch Huacachina von hohen Sanddünen umgeben, die einen Rahmen um das Fabeldorf spannen. Von hier aus fahren die Touristen Sandboard oder kämpfen sich zu den zahlreichen Aussichtspunkten hoch. Die Sicht sucht Ihresgleichen und so ein Sonnenuntergang in der Wüste macht immer was her.
Anstatt mit Kamelen bewegt man sich in der Wüste allerdings mit Buggys fort und bucht eine von unzähligen Touren inklusive Sandboarding-Einheiten. Achterbahnähnliche G-Kräfte wirken auf den Körper, der sich, natürlich gut angeschnallt, in der wilden Achterbahnfahrt ähnlich hin und her Bewegt, wie Protagonisten in der Zeitlupen-Bus-Szene aus Inception. Nur eben nicht in Zeitlupe. Meine GoPro hat sich natürlich nicht lumpen lassen und war dabei. Auf dem Weg nach Huacachina habe ich übrigens drei Belgier kennengelernt, die sich mir angeschlossen haben und wir sind auf Empfehlung im “Carola del
Sur” eingecheckt. Top-Hostal mit Pool. Was will man mehr…?
Weil es hier bis auf die Sandaktivitäten nicht sonserlich viel zu tun gibt, geht es am Folgetag nach Nasca. Die Stadt ist für ihre (bitte Akte-X-Intromusik jetzt einfügen) berühmten unheimlichen Nasca-Linien bekannt, die ich mir morgen Mal aus der Luft ansehe. Man munkelt sie hätten Außerirdischen den Weg gewiesen. Ist ja auch blöd, wenn man vier Millionen Lichtjahre quer durch die Galaxis reist, nur um sich dann auf der Erde zu verfahren… Apropos, die Einpropella-Machinen sollen nicht die Sichersten sein, ich hoffe meine Lebensversicherung greift auch bei Flugzeugabstürzen. Habe einen Privatbus nur für mich alleine gehabt. Witzige Geschichte, aber ich bin etwas müde und wollte euch ja noch ein paar Zahlen und Fakten liefern;

Länder besichtigt: 6

Tage unterwegs: 124

In versch. Betten geschlafen: 45

Höchster Anstieg: 6268 Meter, Chimborazo, Ecuador

Tiefster Tauchgang: 34 Meter, Montanita, Ecuador

Kälteste Temperatur: -28 Grad, Chimborazo, Ecuador

Höchste Temperatur: +41 Grad, Atacama Wüste, Peru

Längste Busfahrt: 32 Stunden, Guayaquil, Ecuador – Lima, Peru

Reifen gewechselt: 2

Mücken gestochen: 312

Tote gesehen: 1

Tote Großtiere gesehen: 3

Nervigste Touristen: Amerikaner

Coolste Touristen: Israelis

Top Backpacker Nationen
1. Australier
2. Deutsche
3. Israelis
4. Kanadier
5. Skandinavier
6. Amerikaner,
7. Franzosen
8. Argentinier
9. Japaner
10. Niederländer

Frauen/Männer ratio: 65:35

Glücklichste Menschen: Guatemala

Freundlichste Menschen: Guatemala

Ärmste Menschen: Guatemala

Größte Überraschung: Ecuador

Zu wenig Zeit gehabt für: Mexiko

Hm das könnte ich jetzt noch eine Weile so weiter führen. Machen wir’s so: wenn ihr irgendwelche Fragen habt, fragt einfach. Oder ich richte offene Sprechzeiten ein. Irgend sowas…

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