Eat, Surf, Love

Heute hab ich zur Abwechslung Mal in den Kalender geschaut: knapp zwei Monate bin ich schon in Ecuador! Mich traf der Schlag – die Zeit verfliegt hier, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, und ich hätte gut und gerne noch eine Weile hier bleiben können. Nach meinem Aufenthalt am Chimborazo musste ich mich erstmal erholen. Der Kraftakt hat ganz schön an mir gezehrt und hat sich definitiv auch optisch bzw. an meinem Gewicht bemerkbar gemacht: ich kann nur Vermuten, dass die Zeit in der Höhe über mehrere Tage hinweg deutlich mehr Energie umgesetzt hat, als ich aufzunehmen im Stande war.

In den Süden ging es daher so schnell als möglich: gleich am nächsten Tag hab ich mich in den Bus gesetzt und glücklicherweise lief “Vertical Limit”. Ich meine glücklicherweise nach meinem Anstieg, sonst hätte mich der Film zugegebenermaßen etwas in meiner Euphorie gebremst. Es ging nach Cuenca, einem weiterem Weltkulturerbe und niedlichem kleinen Städchen mit viel Geschichte, interessanten Sehenswürdigkeiten, Cafés, Bars und natürlich Backpackern. Cuenca ist für seine in Panama besonders beliebten (und daher der Name) Panamahüten bekannt und wartet mit entsprechenden Museen und Hutmachern auf. Hier befinden sich außerdem zahllose Hostels, es gibt großartige Schokolade und überhaupt ist Cuenca absolut einen Besuch wert. Wer sich in Deutschland nicht hat impfen wollen, weil die Schutzimpfungen geradezu lächerlich teuer sind, bekommt hier, dank der staatlichen Unterstützung, sämtliche Spritzen umsonst, der Gang zum Militärkrankenhaus genügt. In Cuenca begegne ich Mathias erneut (mein Kontakt und guter Freund aus Quito), der parallel mit Freunden aus Argentinien ebenfalls auf Reisen ist. Wir verbringen alle zusammen einen unvergesslich witzigen Abend, landen auf der Afterafterhour in einer Villa von irgendeinem Bekannten und treten am nächsten Morgen (also zwei Stunden später) unsere Weiterfahrt nach Montañita an, einem kleinen Hippiedorf an der Westküste Ecuadors.

Vorbei an spektakulären Felslandschaften und durch einen Top-Nationalpark geht es nun von der Sierra an den Strand. Von im Mittel 3900 Höhenmetern auf 0. Plus minus 1. Die rund acht Stunden Fahrt im eigens angemieteten Kleinbus erweisen sich als ziemlich hart, also wenn man verkatert ist natürlich, der erste Blick aufs Meer belohnt uns allerdings sofort und wir können uns vor Vorfreude kaum halten. Zu Montañita nur ganz kurz: hier steppt der Bär! An Wochenende kann das Dorf die tausenden Backpacker, die Vorzugsweise aus Südamerika sind, kaum richtig fassen. In den kleinen Gassen und Karrés, die ausschließlich von Holshütten umgeben sind, tanzen allenorts Menschen in den Straßen – zu lateinamerikanischer Musik versteht sich. Klar, dass ich die Gelegenheit nutze und meine ersten Schritte in Bachata und Salsa mache. Ist übrigens viel leichter als gedacht. Die vielen Bars und Outdoorclubs überschallen sich gegenseitig mit Musik und die Straßenstände laden herzlich und stets zur Happyhour ein. An Wochenenden wird hier nicht geschlafen, die meisten Hostels liegen dazu viel zu nah am Epizentrum. Unter der Woche ist Montañita angenehm leer, die vielen Ecuadorianer aus den umliegenden Städten, allen voran Guayaquil, kehren zu ihren Jobs, Leben, Frauen oder Kindern zurück (man heiratet hier früh).

Übrig bleiben eigentlich fast nur Argentinier. Ernsthaft, ich dachte immer Argentinien sei so toll – aber die sind alle hier! Man erkennt sie im Übrigen schon von Weitem, die halten nämlich den ganzen Tag ihren Mate-Becher in der Hand. Wir sprechen hier natürlich von richtiger Mate, nicht von unserem berlinerpseudohippie Mate-Soda. Als ich den Argentiniern davon erzähle schütteln die nur ungläubig den Kopf. Richtige Mate ist dem Tee sehr ähnlich, zumindest in der Art und Weise der Zubereitung. Wie dem auch sei, ich habe hier einen Heidenspaß: ich tauche, surfe zum ersten Mal (wie geil ist das denn? Außerdem sind hier die Wellen spitze, hab ich mir sagen lassen), spiele Beachvolleyball und esse phantastisch. Die superkurzen Sonnenuntergänge läuten jeden Abend auf spektakuläre Art und Weise das Abendessen ein, und nach rund einer Woche fühle ich mich trotz kurzen Nächten sehr erholt. Dass mir nachts das Handy aus der Hose geklaut wird (vermutlich weil der Dieb meinte ich bin betrunken und langsam), trübt die Erfahrung zwar etwas (und noch mehr, dass ich ihn fast geschnappt hätte und nur die bessere Ortskenntnis des Diebs und die Dunkelheit ihn vor ernsthaften Schmerzen bewahrt hat), aber so hab ich wenigstens etwas zu erzählen. Außerdem war das mehr als überfällig… Jedenfalls war ich so über zehn Tage Handylos, fast schon befreiend!

Dadurch, dass hier nur Latinas und Latinos rumlaufen, hat sich auch mein spanisch drastisch verbessert. Nur blöd, dass Argentinier deutlich anders sprechen als der Rest. Außerdem bringen die mir hier nur Schmarn bei. Ich fühle mich ansonsten ein bisschen wie bei “Lost”. Also buchstäblich: hier hat die Dharma Initiative ihre Zelte aufgeschlagen und es gibt ein Dharma Beach (inklusive Hotel). Hier esse ich jeden Tag. Ich meine, wann hat man schonmal die Gelegenheit? Außerdem schmeckt’s phantastisch. Mathias und seine Freunde sind inzwischen alleine weitergezogen und ich freunde mich mit den Leuten aus dem etwas abgelegeneren Hostel Alebrijes an. Hier kann man nachts etwas zur Ruhe kommen und man begegnet zahllosen sehr coolen Menschen, mit denen ich sicher weiter Kontakt halten werde.

Gestern musste ich allerdings einen Schlussstrich ziehen und bin nach Guayaquil, also zurück in den Süden. Ich muss das Land hier endlich mal verlassen! Knapp zwei Monate – für ein so kleines Land wie Ecuador eine ganz schön lange Zeit. Und ich hab ja noch einiges vor. Von hier aus geht es bald nach Lima. Ein neues Kapitel aufschlagen.

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