Actionville Banos

Es ist echt skurril und frustrierend zugleich: Je länger und weiter man verreist, desto länger wird die Liste an Orten, die man noch nicht gesehen hat und unbedingt noch machen muss. Ich hab jetzt schon wieder zwei Listen voll: Eine Liste mit Tipps und Empfehlungen für meine Reise jetzt. Und eine Liste die abzuarbeiten wohl zwei ganze Leben lang dauern würde. Daher lenke ich vorerst ein und konzentriere mich voll und ganz auf den Moment.

Im Moment befinde ich mich auf dem Weg tief in den Amazonas. Weil ich da aber noch nicht bin und bis ein geplatzer Reifen noch keine besonderen Vorkommnisse zu verzeichnen sind, erzähle ich euch von meiner Zeit Baños, wo ich Neujahr verbracht habe. Ich weiß, es ist verwirrend, aber ich spreche nicht vom Badezimmer (Spanisch: Baños, Euphemismus für “Klo”), also nicht verwechseln. Das will auch keiner hören. Die Rede ist von der Stadt, drei Stunden Busfahrt für 3,50 Dollar, südlich von Quito.

Mitten in den Anden und doch deutlich niedriger gelegen als die Haupstadt, ist Baños hauptsächlich Magnet für Backpacker, Abenteuerer und Low-Budget-Reisende. Hier lässt sich wirklich alles machen, was Adrenalin zu Tage fördert: Bunjee-Jumpen, Paragliden, Zip-linen oder Riverrafting sind hier die Paradedisziplinen. Von hier aus starten auch Touren zu den großen Vulkanen Cotopaxi und Chimborazo, aber auch den in Sichtweite gelegenem Tungurahua kann man von Baños aus prima besteigen (bis zu einer gewissen Höhe. Er ist nich hochaktiv und alle paar Monate fließt Lava ganz klassisch aus dem Krater herab. Leider hat unser Timing um das zu sehen nicht gestimmt…). Ein Outdoor-Laden schmiegt sich in der Kleinstadt an den nächsten, die Auswahl und die Versuchung sind hier (auch auf Grund der kleinen Preiszwege) sehr groß.

Als erstes haben wir uns daher das Riverraften nicht nehmen lassen und sind gleich am Tag nach unserer Ankunft mit dem am attraktivsten wirkenden Anbieter für 25 Dollar pro Person los. Die Betonung liegt auf “wirken”, denn hier schwanken Equipment und Tourguides wie die Schlauchboote auf dem Wildwasser (also sehr): Während die anderen Sechser- bis Achtergruppen etwa eine halbe Stunde lang Trockenübungen an Land ausführen, sich aufeinander einschwören und ihre Koordination verbessern, läuft unser Gruppenleiter vielbeschäftigt umher, um die völlig überbuchte Tour noch in trockene Tücher zu bekommen. Sprichwörtlich. Dann heißt es plötzlich “vamos”, und wir springen ins kalte Wasser. Buchstäblich. Natürlich ist das Boot nicht ausbalanciert, die Frauen sitzen auf einer Seite und die Kommandos sind grundsätzlich für alle gleich. Man muss keine Hydrophysik studiert haben, um festzustellen, dass das natürlich so nichts werden kann. Also drehen wir uns viel Kreis und lästern pausenlos “Wie dumm kann man eigentlich sein?… Ist das sein erstes Mal?… Man, lass mich doch Mal machen wie ich denke, du Pfeife!”, warten viel auf die anderen Boote, die zu uns gehören (weil wir so schlau waren und beim größten Anbieter gebucht haben) und irgendwann sind wir nach angeblichen neun Kilometern, und gefühlten zweien, flußabwärts auch Mal angekommen. So jetzt hab ich zwar viel geschimpft, aber mein Fazit: War trotzdem eine Mordsguadi und immer wieder gern!

Abends führen wir uns zum Abendessen zur Abwechslung ein Schweizer Restaurant zu Gemüte. Weil ja bald Neujahr ist. Ohne Raclette, aber mit etwa 500 Gramm Fleischfondue im Bauch begebe ich mich ins Bett. Unser Bett, das ist in einem der unzähligen (wirklich: unzähligen) Hostels mitten im Stadtzentrum, welches man für Lau auch ohne Reservierung selbst zur Hochsaison, wie sie gerade ist, bekommt. Am nächsten Tag geht es Zip-linen (auch Canopying genannt). Dazu fahren wir in die umliegenden Berge. Sechs Zip-Lines kann man hier ganz gemütlich hintereinander auf verschiedenste Art und Weise (über Kopf wie Spiderman, wie Superman oder wie irgend eine andere Comicfigur) entlang düsen. Zwischendrin muss man immer Mal
wieder ein bisschen laufen – der Blick bei strahlendem Wetter auf entlegene Wasserfälle und den mächtigen Tungurahua beloht uns allerdings für die kleinen Mühen. Das Zip-Lining selbst ist uns beiden allerdings etwas zu langsam, also beschließen wir dem vielversprechenden Doublespeed-1000-Meter-Zip eine Chance zu geben: Mit 95 Km/h nicht ganz so schnell wie erhofft, aber in der Horizontalen mit Blick nach vorne einen Canyon hinab, schon recht cool. Nachdem meine Ersatz-Gopro inzwischen angekommen ist, gibts davon natürlich auch stylische Bewegtbildaufnahmen.

Neujahr erwartet uns in der Lunaruntun, einem Boutique-Hotel am Gipfel eines nahegelegenen Berges mit Blick auf Baños. Mit Hilfe der spektakulären Sicht wollten wir erstmal in Ruhe das Feuerwerk genießen – und anschließend in die Stadt, den traditionellen Papppuppenverbrennungen (<– cooles Wort) beiwohnen, die das Übel und die Last des vergangenen Jahres repräsentieren und verschiedene Formen einmehmen können. Die Menschen hüpfen auch ketzerisch über das lodernde Feuer, wahrscheinlich um zu symbolisieren wie wenig sie sich vor dem Übel fürchten. Zu den Traditionen gehört auch gelbe Unterwäsche zu tragen, und manche Männer verkleiden sich als Frau (oder überhaupt). Viele irritierende Eindrücke.

Jedenfalls habe ich vorher "wollten wir" geschrieben, weil es dann doch anders kam: der Fischsuppe sei Dank hat sich Alisa im Hotel eine kleine Lebensmittelvergiftung zugezogen, weswegen sie die ganze Nacht von den wunderschönen Räumlichkeiten unseres Zimmers profitieren konnte – während ich einige Meter weiter wenigstens ein paar sehr schöne bildliche Schnappschüsse vom Feuerwerk machen konnte. Ich war sowieso sehr müde (das Alter?), da kam mir das sehr gelegen…

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