Kraterstimmung am Cotopaxi

Ach ja, das schöne an Ecuador ist: das Land ist ja nun wirklich nicht groß. Von der Hauptstadt aus kommt man schön schnell überall hin. Trotzdem bin ich noch immer hier und habe noch längst nicht alles abgehakt, was mich hier interessiert. Eigentlich wollte ich Neujahr schon in Peru sein, aber ich bin ein im Bann der vielen Möglichkeiten hier glatt stecken geblieben. Immerschon habe ich zum Beispiel vom Cotopaxi gehört, einem der größten aktiven Vulkane der Welt. Ihn zu besteigen hatte ich mir fest vorgenommen.

Eigentlich dachte ich, der fast perfekt symmetrisch geformte Vulkan sei prima für Anfänger geeignet – und da ich nun schon fast sechs Monate keinen Sport gemacht habe, eigentlich super. (Was heißt eigentlich “Anfänger”?) Die vielen Geschichten Bekannter hier rund um irgendwelche Leistunssportler, denen die Höhe beim Aufstieg einen Strich durch die Rechnung gemacht haben soll, habe ich mit etwas Schrecken und Verwunderung aufgenommen. Aber das war ja auch, nachdem ich schon oben war. Huch? Jetzt habe ich die Pointe schon vorweg genommen. Also ich war oben. Vorher aber noch folgendes:

Knapp 45 Minuten fährt man von Quito aus in den gleichnamigen Nationalpark. Am Montag vergangene Woche ging es gleich in der Früh los. Mathias, zwei Freunde, Alisa und ich im 4×4, die Rolling Stones aus den Frontlautsprechern, die Sonne auf der Haut und der Fahrtwind im Gesicht. Beste Ausgangslage für den darauffolgenden Besuch im Park inklusive Picknick. Die dortige, unwirkliche Kraterandschaft ist durchzogen von zerklüfteten Hügeln sowie kleinen und größeren Felsbrocken. Bis auf das Grün erinnert das Gelände an den Mond. So wie er sein sollte quasi. Wirklich unglaublich.

Laut neuem Gesetz sind alle Erhebungen über 5000 Meter in Ecuador nur mit Guide zu besteigen. Nachdem Weihnachten ist, war unsere Liste mit rund zehn geeigneten Guides schnell abtelefoniert und nicht besonders ergiebig. Also beschließen wir (“wir”, das sind nun nur noch Alisa und ich) einfach zum rund 4800 Meter hoch gelegenem Refuge zu fahren/laufen und vor Ort spontan einen Guide aufzutreiben. Wir begegnen Fausto, einem Guide der uns für die kommenden Tage zusagt. Sehr gut, so bleibt Zeit sich etwas besser zu akklimatisieren. Wir fahren also wieder runter und kehren im Tambopaxi ein, einem Hostel in Blickweite zum Krater. Am Folgetag verzaubert uns die Landschaft aufs Neue, als wir mit dem Pferd ausgestattet durch die Pampas reiten und Dutzenden Wildpferden begegnen, die hier einfach so rumlaufen.

Kaum zu glauben, dass abends schon Heilig Abend ist. Komplett ohne Erwartungen sitzen wir plötzlich in einem weihnachtlich dekorierten Ess-/Wohnzimmer am Tisch mit Fremden und bekommen Truthahn serviert. Das sehr charmante österreichische Seniorenpaar neben uns ist mit dem eigenen Auto aus Wien angereist und lässt es sich ebenfalls einige Monate in Südamerika gut gehen. Da darf natürlich auch das Akkordeon nicht fehlen. Also singen wir plötzlich Weihnachtslieder und österreichische Schmankerl aus der Heimat, während die Amerikaner neben uns ihre Geschenke aufmachen (obwohl sie sich versprochen hatten sich nichts zu schenken. Herzallerliebst…). Was für ein verrückter und völlig überraschender Weihnachtsabend!

Nun wird es langsam ernst: Mittwoch Abend begegnen wir zurück am Refuge unsererem Guide Fausto, der noch immer etwas nach Alkohol stinkt und am Vorabend wohl einen über den Durst getrunken hat. “Naja, uns steckt er konditionell sicher trotzdem noch in die Tasche”, denken wir, als wir uns zum Schlafen fertig machen. Der Aufstieg soll gegen eins in der Nacht beginnen, also geht es frühabends ins Bett. Von “Nachtruhe” haben die Leute hier allerdings noch nicht so viel gehört. Mit ihren fetten Wander-, Schnee-, und Skischuhen trampeln die anderen Gäste und Guides durch das Bettenlager, es wird gelacht und unter uns Musik gehört. Nunja, wir wurden ja vorgewarnt, dass es mit dem Ruhen schwierig werden würde…
Um punkt 1:35 verlassen wir als letzte Gruppe die Hütte, wenig später werden die Steigeisen angezogen und der schwierige Teil beginnt. Durch Schnee und Eis kämpfen wir uns wie zwei deutsche Maschinen zwei Drittel des Weges problemlos durch und überholen sogar überraschender Weise einige Gruppen. Die pophezeiten und höhenbedingten Kopfschmerzen bleiben aus. Das Wetter schwenkt um und uns offenbart sich eine sternklare Nacht: Die Milchstraße ist so nah, dass man das Gefühl hat direkt reinfliegen zu können. Leider macht Alisa und mir das Equipment pötzlich zu schaffen: während Alisa einfach nur zu schlechte Skihandschuhe dabei hat, mache ich den Fehler und fasse mit meiner ersten Schicht Thermohandschuhe in den Schnee. Nass ist so auch meine zweite Schicht nicht zu gebrauchen und die darauffolgenden 30 Minuten entwickeln sich zur Qual. Es dauert eine Weile und ein Ersatzpaar muss her, aber wir fangen uns und greifen nochmal an: bereits 3 Stunden 45 Minuten sind wir schon unterwegs, als langsam Licht über dem Horizont erscheint – kurz nach Sonnenaufgang erreichen wir endlich den Gipfel!

Von einer Sekunde auf die andere sind alle Qualen wie weggewischt und wir fallen uns in die Arme: 5897 Meter über dem Meeresspiegel – hier sind die Wolken so weit unter uns, dass wir genauso gut auch im Flugzeug sitzen könnten. Der Anblick ist so sensationell, wir möchten eigentlich gar nicht mehr runter (und suchen vergeblich nach Liegestühlen). Das Panorama stellt sämtliche Vulkane Ecuadors zur Schau: Chimborazo (steht auf meiner Liste), Artisana, Cayambe, Tungurauha. Das ausklappbare 360-Grad Postkartenmotiv speichern wir für immer ab und unser Abstieg beginnt. Kurz zur Info: der Abstieg in Steigeisen strengt aufgrund der Ermüdung in den Muskeln, der unangenehmen Winkelstellung der Füße und dem kontrolliertem Gang etwa doppelt so sehr an, wie der Aufstieg. Im Refuge zurück, nach ca. 1 Stunde 45 Minuten, legen wir uns auf der Stelle nochmal aufs Ohr. Von Vulkanen und Bergen, geschweige denn von Stufen, möchte ich die nächsten Tage erstmal nichts hören.

Zurück in Quito bereiten wir uns für unser nächstes Abenteuer vor: nach Baños geht es, an den Fuß des Tungurauhas. Die Kleinstadt mitten in den Anden ist wie für mich geschaffen: Canyoning, River Rafting, Mountainbiking, Ziplining, Paragliding – der Reihe nach werden wir uns die nächsten Tage hier durch das Angebot durchkämpfen. Heute war immerhin schon Wildwasserfahren dran. Einfach großartig!

Neujahr verbringen wir übrigens erhöht auf einem Hügel (auf der Lunaruntun), von dem wir uns eine spektakuläre Sicht auf das Feuerwerk erhoffen. Und dann geht es am 3. auch schon relativ zügig Richtung Amazonas. So viel von mir. Zurück zu euch.

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