Auf Darwins Spuren

Das Wichtigste zuerst: Galapagos ist ziemlich genauso, wie man es sich vorstellt: weit weg, spannend, bunt, vielseitig, surreal, atemberaubend. Die von Vulkanen geprägte und geformte Inselgruppe hat so viel zu bieten, fünf Tage reichen bei Weitem nicht um allen Aktivitäten nachzugehen. Darwin hat das natürlich auch gleich erkannt und schlauerweise auch etwas mehr Zeit hier als ich investiert (fünf Jahre!).
Ihm hat die Insel Santa Cruz die gleichnamige Forschungsstation zu verdanken, in der Wissenschaftler ihrer oft ziemlich eintönigen und anstrengenden aber wichtigen Arbeit nachgehen: Arterhaltung, Bestimmung und Klassifizierung neuer Spezies etc. Was Biologen halt so machen. Die Regierung hat hier strenge Vorschriften, was die Einreise und den Aufenthalt im als Nationalpark eingestuften Archipel anbelangt. Vom Fischen bis hin zum genauen Aufenthalt jeder einzelnen Riesenschildkröte ist alles reglementiert. Die riesigen Panzer sieht man übrigen schon von der Straße aus auf der Weide verschiedener privater Ranches herumkriechen (ich muss dauernd an MarioKart denken). Nicht selten sitzt so eine rund 190 Jahre alte Galapagosschildkröte neben ein paar Kühen. Interessantes Bild, irgendwie… ungleich.

Leider ereilte den Schildkröten noch vor rund 300 Jahren ein unschönes Schicksal: für Piraten und Seefahrer war Galapagos ein strategisch wichtiger Ausgangspunkt um monatelang in See zu stechen. Weil die Tiere in der Lage sind bis zu einem halben Jahr ohne Nahrung oder Wasser auszukommen (sie speichern einfach alles im Inneren ihres Körpers ab), waren sie gefundenes Fressen – sie blieben langezeit frisch und waren darüber hinaus pflegeleicht an Bord der Schiffe. Daher starben einige Spezies schon früh aus und der Erhalt der noch vorhandenen Tiere steht mit an oberster Stelle der hiesigen Tierschützer. Die Spanner kontrollieren und beobachten in der Charles Darwin Station “deswegen” auch die Copulation der Reptilien. Sagen sie. Bei 4000 Exemplaren alleine auf Santa Cruz muss man sich aber keine Sorgen mehr machen, dass unsere Kindeskinder die Spezies nicht mehr erleben dürfen.

Ich war heute auf einer dieser Ranches und konnte mir aus erster Hand einen Eindruck von diesen riesigen Urururopas machen, die auf der Weide zusammen mit den Kühen günstige Rasenmäher abgeben. Vor der Kamera geben sich die Schildkröten zwar etwas schüchtern (und verkriechen sich gerne in ihr Zuhause), aber sobald die Technik aus ist sind sie relativ redseelig und geben viele schöne (not) Grunzgeräusche von sich. Auch einen Spaziergang durch einen von einem Lavastrom geformten Tunnel durfte ich heute an gleicher Stelle besichtigen. Davon gibt es hier zahlreiche – leider ist die vulkanische Aktivität auf fast allen anderen Inseln hoch, nicht hier. Man soll angeblich Lava sehen können (Quelle: ein Taxifahrer), daher steht Isabella-Island ganz oben auf meiner Todo-Liste fürs nächste Mal.

Apropos: allen Unkenrufen zum Trotz ist es hier überhaupt nicht nötig über eine Reiseagentur ein Komplettpaket zu buchen. Keine Ahnung wieso sich dieser Irrglaube so weit verbreitet hat. Ich muss deswegen auch meinen letzten Videoblog-Eintrag richtig stellen Vgl.: Galapago!). Hab mich näher informiert: Man kann als Backpacker in gewohnter Manier einfach einen Flug (rund 240€ ab Quito) nehmen, und sich vor Ort in einem günstigen Hotel oder Hostal einquartieren. Wenn man spontan bucht findet man außerdem (und viel flexibler) deutlich bessere sowie günstigere Angebote und kann etwa auf andere Inseln hoppen. Auch meine Tauchbasis war etwas ab vom Schuss: selbst wenn Taxifahren pauschal nur einen Dollar kostet, hier angekommen hätte ich wahrscheinlich eine andere nähere und ggf. preiswertere Alternative gewählt. Mein Hotel (Via Laguna) ist ja ganz nett und so, aber vom Hocker haut mich lediglich die Rate, nicht die Ausstattung. Top Überleitung zum heutigen Tauchtag.

Ich war an meinem dritten und letzten Tag auf hoher See heute am berühmt-berüchtigten Gordon-Rock, Mal wieder tauchen. Nachdem ich gestern und vorgestern schon mit verschiedensten Haiarten, Robben, Meereschildkröten und Rochen reichlich verwöhnt wurde, waren meine Erwartungen etwas gesetzt. Dass ich gleich nach dem Abtauchen am Gorden Rock einen Mantarochen mit rund vier bis fünf Metern Spannweite sehen würde, der auch noch direkt über meinen Kopf fliegt, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Habe natürlich noch mehr Bilder und Videos als die Nachstehenden.
Der geheimnisvolle Airbus der Meere denkt er sei ein Schmetterling und flattert mit ultralangsamen Flügelschlag filigran durchs Wasser, an mir vorbei – ich feiere den Augenblick (siehe Video) und bin quasi live dabei, bei der neusten Ausgabe des Deep Sea National Geographic. Die Euphorie wird durch die Säuberungsstation einer Schildkröte und durch den Schwarm Weißpunktrochen, der später über meinem Kopf ins blaue Dunkel verschwindet nicht gerade gebremst. Da kann auch Eduardo (Name geändert), der aussieht wie Sean Connery 65+ für Arme, dessen Tarierung jeden Divemaster in Angst und Schrecken versetzt, nichts daran ändern. Der Kollege schießt auch ganz gerne mal aus 15 Metern an die Oberfläche (nicht gut. Stichwort; Barotrauma) und lächelt dabei – wahrscheinlich weil er sich denkt: jetzt kann ich in Ruhe sterben.

Ich bin noch nicht ganz soweit und freue mich auf meinen letzten Tag hier morgen, bevor es nach Quito zurückgeht. Denn da kann ich mich schonmal mental auf die Tiefen des Amazonas vorbereiten. Stay tuned!

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