Packma’s. Aber richtig!

Ich liege aufgrund meiner Ohrenentzündung leider wieder etwas flach und prokastiniere das Spanisch-Vokabeln-Lernen – daher dachte ich mir es wäre doch sicher interessant für euch Mal zu wissen, was der Backpacker von Welt heutzutage eigentlich so alles mitnimmt (inklusive ein paar Tipps).

Dazu gleich eine Faustregel: Lege alle Sachen, die du deines Erachtens brauchst, auf einen Tisch. Dann halbiere die Menge und verdopple dein Budget. Klingt komisch. Ist aber so.

Man nimmt grundsätzlich immer viel zu viel mit, aus Angst vielleicht irgendwas doch zu brauchen. In der Regel bekommt man allerdings alles auch vor Ort, oft sogar etwas preiswerter als hier. Außerdem: es gibt nahezu überall Laundry-Services, ich rate also davon ab 20 Socken und 30 Boxershorts mitzunehmen. Zumal man in warmen Ländern und am Strand ohnehin meist in Badehose/Bikini bzw. FlipFlops unterwegs ist…

Es klingt zwar logisch, aber auch das Packmaß der Gegenstände wird oft unterschätzt und spielt eine erhebliche Rolle! Aus den USA kommt daher hilfreiche Unterstützung, so genannte Space Bags. Die transparenten Plastikbeutel lassen sich vakuumverschließen und sind so der ideale Reisebegleiter für Klamotten.

Es folgt, eine kleine Orientierungshilfe:

Rucksack. Bitte beachten, dass es aus gutem Grund Männer und Frauenrucksäcke gibt. Die Anatomie ist verschieden und das spiegelt sich im Produktdesign auch wider. Je nach Reisedauer sind 65+15 Liter nicht unrealistisch. Ich persönlich habe lieber einen etwas größeren Rucksack, den ich nach Belieben zuschnüren/anpassen kann. Lowe Alpin und Deuter machen klasse Sachen.

Kleiner Rucksack. Eher früher als später wird man den Schwerkraftbereich seines großen Rucksacks verlassen und mit einem kleinen Rucksack in den Orbit treten. Ich habe daher einen leichten Rucksack mit geringen Packmaßen für Tagestouren und dergleichen dabei.

Schlafsack. Ich habe einen Kunstfaserschlafsack mit geringen Packmaßen im Kompfort-Bereich zwischen -10 und +18 Grad, der mich bisher überall hin begleitet und mir treue Dienste erwiesen hat. Wenn es warm ist, kann man ihn ja einfach aufmachen, Kältedämmung ist da schon wichtiger. Vor Allem nachts ist es auch in warmen Ländern oft überraschend kühl. Sicher keine Option für hochalpines Biwacken, im Zweifel kann man aber auch in Klamotten eingepackt schlafen. Big Pack macht gute Sachen.

Isomatte. Hab ich bisher noch nicht so richtig gebraucht, wird aber in Peru gekauft. Gleiches gilt fürs Zelt. Erst kaufen, wenn benötigt!

Handtuch. Ich empfehle Mikrofaser: geringe Packmaße, ultraleicht und trocknet schnell. Zugegeben fühlt sich Mikrofaser nicht umbedingt besonders gut beim Abtrocknen an, aber das gemütliche und fette Frotte-Handtuch bleibt trotzdem Zuhause.

Stirnlampe. Wird oft vergessen, ist aber definitiv unerlässlich, vor allem beim Campen bzw. Outdoor. (Auch beim nächtlichen ins Dorm Schleichen und aus Rücksicht vor den Schlafenden.) Petzl macht wohl die besten, im Idealfall ist sie bitte auch noch wasserdicht.

Schloss. In nahezu jedem Hostel gibt es Schließfächer zum Verstauen der Wertgegenstände. Bringt aber nichts, wenn man kein eigenes Schloss dabei hat. Ich empfehle einen Plastik-Metall-Kompromiss, aus Gewichtsgründen, und am Besten mit Zahlenkombination. So muss man sich nicht permanent Sorgen machen, den Schlüssel zu verlieren. Wirklich wichtig!

Beutel für Schmutzwäsche. Ihr lacht jetzt, ist ja klar und so. Aber der wird oft vergessen und ein guter Beutel hilft sowohl beim ständigen Ein- und Auspacken, als auch, wenn man ihn der Wäscherei übergibt.

Space Bags. Siehe oben. Hilft die Packmaße gering zu halten, außerdem gilt die Devise der Modularität. Glaubt mir, wenn ihr lange unterwegs seid und ständig aus dem Rucksack lebt, wollt ihr nicht pausenlos von Neuem Tshirts zusammenfalten (z.B. wenn ihr von Hostel zu Hostel zieht). Wintersachen in einem Space Bag, Sommersachen in einem anderen. Einfaches Prinzip.

Schuhe. Schwieriges Thema. Zwischen Trekking, Hiking, Mountain Approach, Alpin und Hochalpin liegen in der Form, Verarbeitung und Funktion so viele Unterschiede. In heißen Ländern will man Schweißentwicklung vermeiden, sucht also nach atmungsaktiven Schuhen. Goretex und impregniertes Kunstleder bergen allerdings Vorteile bei Regen. Hier ist gute Beratung Trumpf – allerdings steht die der guten Recherche über vorherrschendes Untergrundprofil und Klima der Region nach. Wenn ich weiß, ich brauche in Land Ypsilon Schuh Ix, und vorher bzw. danch nie wieder, dann schicke ich den gerne auch Mal mit der Post an eine bekannte Adresse. Gerade bei alpinen, d.h. meist dickeren und schwereren Schuhen, ist das eine sinnvolle Geschichte. Ich mag übrigens Meindl und Salewa. Top Qualität.

Flipflops. Ich steh auf Reef (nicht nur wegen den Reef Girls). Die haben tolle Sohlen, zwischen dem großen Zeh und dem anderen Zeh schnürt nichts ein und meine haben einen integrierten Flaschenöffner in der Sohle. Was will
Man mehr?

Badehose. Ich hab zwo, und eine Speedo-Short zum Tauchen. Kann man sich auch sparen, wenn man nicht taucht. Wenn man taucht, unbedingt besorgen. Ist weitaus praktischer und isoliert besser als die Standardshorts.

Tshirts. Habe zwei Tanktops und zwei Shirts eingepackt. Reicht leicht.

Hoody. Zwei Hoodys sind schon viel zu viel. Einer reicht. Den Rest decken die Wintersachen ab.

Jetzt kommen wir zum etwas schwierigeren Teil: Das Zwiebelprinzip ist spätestens den Wintersportlern unter euch bekannt. Das heißt lieber mehrere Schichten als beispielsweise eine fette Winterjacke. Ist logisch, da man sich so viel dynamischer und flexibler den Bedingungen anpassen kann. In kalten Gefilden und bei längeren Wandertouren haben sich etwa vier bis fünf Schichten etabliert. Ich beginne mit der untersten:

Thermo-Unterwäsche und Wäsche. Je nachdem in welchem Land man unterwegs ist, braucht man natürlich unterschiedliche Basics. In kalten Ländern und bei längeren Rucksacktouren empfiehlt sich vor Allem das etwas teurere Merino-Whool. Das Material ist schweißabweisend und stinkt einfach auch bei tagelangem Anbehalten nicht. Außerdem wärmt das Gewebe eins a. Bitte nicht mehr als fünf paar Socken (davon zwei paar Wintersocken), max. fünf Boxershorts, zwei lange Merino-Unterhosen und zwei Merino-Shirts einpacken.

Polyfaser-Synthetik für die zweite Schicht. Ebenfalls eng anliegend sollte beispielsweise ein Synthetik-Longsleeve sein. Am besten mit Reisverschluss oder zumindest mit tief ausgeschnittenem Zipper. Mountain Design macht gute Sachen, aber auch Haglöf.

Fülljacke. Die Jacke macht ihrem Namen alle Ehre und befindet sich zwischen dem Longsleeve und einer vierten Schicht, auf die ich gleich noch eingehe. Sie ist ebenfalls synthetisch und den Meisten deswegen bekannt, weil man damit ein bisschen aussieht wie ein hungerndes und buntes Michellin-Männchen. Die Fülljacken haben in der Regel stufige, horizontale Nahtstellen und werden oft etwa in Kanada gesichtet. Ich habe eine mit Kapuze. Herrscht kein Wind und kein Regen vor, braucht man übrigens keine weitere Schicht. Andernfalls…

Windstopper-Jacke. Es gibt auch hervorragende Regenjacken, die so verarbeitet sind, dass sie die Funktion gleichzeitig übernehmen. Diese sind aber etwas kostspieliger. Ich habe ein Windstopper-Jackett dabei, finde ich am praktischsten. Mountain Design hat starke Windstopper, aber auch Haglöf bietet das Richtige für kleinere Geldbeutel. Für schlimmere Witterungsbedingungen nutze ich dann die folgende, abschließende Schicht…

Regenjacke. Meine ist Stormproof, das bedeutet eingebaute Windstopper-Funktion und eine hohe Wassersäule. North Face hat hier ausgezeichnete Produkte in Petto, ich verlasse mich hier voll auf die Sachen der US-Amerikaner. Außerdem erfüllen die noch am ehesten meine Design-Kriterien. Leider sind ja Outdoor-Klamotten meist ziemlich hässlich. Bitte beachten, dass man die Regenjacke etwas größer kaufen sollte, damit die anderen Zwiebelschichten noch Platz darunter finden. Es ist sinnvoll bereits vorhandene Jacken mitzunehmen und im Laden alles komplett anzuprobieren.

Regenüberhose. Hab eine Marmot-Hose mit mittlerer Wassersäule, die sich per Reisverschluss komplett an den Seiten öffnen lässt. Super praktisch und ein absolutes Muss. Es gibt wenig Schlimmeres als nasse Hosen.

Hosen. Habe zwei Jeans (eine würde reichen, aber hab noch eine für schönere Anlässe dabei), eine Funktionshose (ihr wisst schon, die beigen, hässlichen, die man am Knie aufzippen kann), eine kurze Hose und eine Wanderhose dabei. Die Wanderhose ist von Fjäll Räven und sensationell in puncto Strapazierfähigkeit. Sie ist außerdem Wasserabweisend und hätte ich gewusst, dass sie außerdem noch verhältnismäßig chic ist, hätte ich definitiv eine Jeans Zuhause gelassen.

Thermoskanne. Für kalte Wandertouren und alpine Treks nahezu unerlässlich.

Handschuhe. Habe sowohl dünne Flieshadschuhe, als auch dicke Winterhandschuhe dabei. Ski-Handschuhe und Wanderwinterhandschuhe unterscheiden sich in ihrer Flexibilität etwas, erstere gehen aber natürlich auch. In Extremsituationen zieht man beide Handschuhe übereinander an.

Mütze. Eine leichte Fliesmütze von Polartec reicht. Den Rest machen die Kapuzen. Ich hab aber auch wirklich gute Kapuzen.

Sonnenbrille. Ich bin ja ein Fan von polarisierten Gläsern, gerade bei Schneefall sehr hilfreich und meist auch einfach besser verarbeitet (ergo besserer UV-Schutz für die Augen). Im Ideallfall schließen die Gläser auch noch zur Seite ab. Meine tun’s nicht. Mal sehen, wie sich das in hochalpinem Gelände auswirkt. Eigentlich hat man hier aber auch eher polarisierte Schneebrillen an. Daher: vergesst was ich gerade gesagt habe. Die Sonnenbrille ist ja auch echt wurschtegal.

Kulturbeutel. Mit Kultur. Das Meiste bekommt man immer vor Ort, lasst also fette Shampooflaschen oder Conditioner und Deos Zuhause. Jedem das Seine, aber auf die Elektrozahnbürste verzichte ich aus gewichtsgründen auch einfach Mal. Kann man eh nicht überall aufladen… Das führt mich aber zum nächsten Punkt.

Stromadapter. Es gibt Multifunktionsadapter für jedes beliebige Land. Die sind ja schön und gut und so, leider ist bei den Konvertern meist ein Transistor integriert, der bei Erschütterung schnell kaputt geht (womit der ganze Adapter unbrauchbar wird). Den Transistor kann man zwar umständlich auswechseln, braucht man aber eh nicht immer – daher kaufe ich lieber in den einzelnen Ländern für lau entsprechende Adapter. In Mittel- und Südamerika zum Beispiel braucht man keine Spannungswandler bzw. Transistoren, also alles easy. Sehr praktisch sind außerdem USB-Adapter für Zigarettenanzünder in Fahrzeugen. Gerade bei langen Bus- oder Autofahrten lassen sich Kameras und Smartphones bequem von unterwegs aus aufladen.

Erste Hilfe Kit. Damit ist halt nicht zu spaßen, es kann immer etwas passieren. Thermometer und Zeckenzange sollten optional dabei sein, empfehlenswert sind außerdem Aspirin in Pulverform, Medikamente gegen Montezumas Rache, und Malerone (verschreibungspflichtig). In Malaria-Gebieten wird auch oft präventiv verschrieben – gute Tropenärzte raten davon aber ab und empfehlen bei klaren Syptomen etwa Malerone, weil es die geringsten Nebenwirkungen aufweist.

Kleiner, wasserdichter Beutel. Für Flugtickets, Kopien des Reisepasses (Scans aller Seiten auch unbeding online ablegen!) und weitere wichtige Unterlagen wie Impfpass und Internationaler Führerschein.

Taucherbrille und Schnorchel. Hier habe ich gerne mein eigenes Zeug dabei. Meine 20 Jahre alte Cressi-Maske passt wie angegossen und leckt überraschender Weise nicht und mein Schnorchel ist auch immer noch spitze. Außerdem gibt es so viele Orte an denen man gerne Schnorcheln möchte, nicht überall kann man Equipment ausleihen.

Sitzunterlage. Habe ein ultraleichtes, zusammenfaltbares Styrophor-Kissen dabei. Im Flieger hab ich mir außerdem das leichte und praktische Schlafkissen geschnappt.

Moskitospray/Moskitonetz. Nicht nur weil es juckt und unangenehm ist sollte man versuchen nicht gestochen zu werden. Moskitos übertragen außerdem gerne mal Infektionen. Daher helfen gute Sprays, die man vielleicht am besten doch noch in Deutschland kauft. Vor Ort riechen die mittel meist eher gut und sind sonst wenig zu gebrauchen.

Buch. Ein gutes Buch reicht. In vielen Hostels kann man nämlich tauschen!

Das wars eigentlich. Wenn ihr Ergänzungen habt, freue ich mich. Ich lerne immer gerne dazu und erweitere die Liste natürlich für euch.

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3 Comments

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  1. jetzt muss ich mich doch sehr wundern, das gerade DU technik freak kein kindle hast?!! naja, akku und so, ich weiss…aber der hält zum glück recht lang. aber hey, nur 4 shirts?!! puh.das werd ich nicht schaffen!

    • Mhm, da hast du recht. Aber: Ich hab mit ner Digicam, ner GoPro und meinem iPhone, plus dem ganzen Zubehör schon genug Technik dabei. Und ich lese halt so wenig wie möglich (versuche wirklich so viel zu sehen/machen wie möglich)…

  2. ps: danke! sehr hilfreich!

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