Yallah, yallah!

Liebes Tagebuch, gestern habe ich meine ersten Araber getroffen! Na endlich, wurde ja auch langsam Zeit. Dubai ist ein wahrer “Clash of Nations” und echte Einheimische (dazu zaehle ich in der Regel Menschen, die in der entsprechenden Stadt geboren wurden und aufgewachsen sind) sehe ich hier wirklich sehr selten. Selbst in der Altstadt. Viele Franzosen kreuzen meinen Weg, angeblich sind derzeit rund 10 000 hier situiert. Auch Briten und Russen trifft man hier haufenweise an – im Verhältnis zu den unzähligen Pakistanis ist das alles hier natürlich nur ein verschwindend geringer Bruchteil. Englisch spricht hier eigentlich jeder, auch wenn ich mich manchmal doch sehr anstrengen muss, um aus den einzelnen schwer verständlichen Satzbrocken relevante Informationen herauszufiltern. Besonders den Pakistanis merkt man deutlich an, dass sie mit der Sprache zu kämpfen haben. Andererseits werden sie sowieso nicht zum quatschen bezahlt, sondern zum Arbeiten. Schaffe, schaffe Hochhaeusle baue lautet für geschätzte 80 Prozent der fleißigen Bienchen die Devise. Bei 50 Grad im Schatten. Jeden morgen pendeln Abertausende Hindus aus den benachbarten Städten in unterschiedlich großen weißen Bussen nach Dubai, wo sie wie Vieh heraus gekarrt und auf den Bau geschickt werden. In ihren blauen Overalls erkennt man sie schon von Weitem. Fünfzigstöckige Gebäude werden hier in wenigen Monaten hochgezogen, gearbeitet wird 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Manchmal legen die Arbeiter sogar Doppelschichten ein – sie rackern fast ausnahmslos, um ihre in der Heimat gebliebene Familie über Wasser halten zu können. Wirklich ein trauriger Anblick, die völlig ausgelaugten Menschen abends wieder in den Bus steigen zu sehen. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, sind die Straßen zu Stoßzeiten völlig verstopft. Für eine Distanz, die uns am Freitag (quasi das Pendant zu unserem Sonntag) rund fünf Minuten gekostet hat, haben wir heute ziemlich genau zehn mal so lange gebraucht. Ich hätte Alles für ein Motorrad gegeben, mit dem ich mich durch die vielen Autos hätte schlängeln können. Andererseits haben Motorradfahrer hier keine besonders große Überlebenschance. Das liegt daran, dass sich eigentlich nur extrem große Fahrzeuge auf der Straße aufhalten: Jeeps und Busse dominieren den Verkehr – ein Fahrfehler oder eine Unachtsamkeit und ma liegt zwischen den Rädern.

An dieser Stelle nehme ich mir “Gundels Vorschlag” (danke Freddi) mal zu Herzen und füge einen Absatz ein. Passt auch irgendwie ganz gut zu meinem geschickt eingebauten Themenwechsel: Habe gestern Abend im Souk Medina verbracht, ein Hotel nicht weit vom berühmt berüchtigten Burj al Arab. Einen Wahnsinns Kontrast – schließlich erinnert das großflächige Souk Medina mit seiner verspielten altmodischen Architektur, der effektvollen Beleuchtung und seiner kleinen Kanalanlage ganz stark an die Geschichten aus tausend und einer Nacht, während das Burj al Arab wie der Mast eines riesigen, futuristischen Segelboots in den Himmel ragt. Dubai bietet für jeden Geschmack das richtige Hotel. Übrigens, wer gerne Shisha raucht, hat in dieser Stadt natürlich das große Los gezogen. In den meisten Bars werden die Wasserpfeifen angeboten, natürlich immer in Zusammenhang mit gemütlichen Sitzkissen oder Sofas. Habe die Nacht einer Hotelbar mit Livemusik im Jambase ausklingen lassen, wo ich ins Gespräch mit dem Geschäftsführer gekommen bin. Torsten, so der Name, kommt aus Düsseldorf und ist ursprünglich wegen den Frauen nach Dubai gekommen. Na das ist doch mal eine Ansage! Die seien hier wirklich der Wahnsinn, teilt er mir mit. Davon kann ich mich etwa fünf Minuten später gleich selbst überzeugen: als ich den Komplex verlassen will, werde ich von einer properen Dame mittleren Alters und afrikanischer Abstammung angesprochen – war das politisch korrekt genug? Wie ich denn heiße, wo es denn hinginge und ob sie denn mitkönne, wollte sie wissen. Philipp hieße ich, es ginge zurück nach Hause und danke nein erwiderte ich kurz. “Aber nett, dass Sie fragen”. Ob ich nicht noch mitkommen wolle, ein bisschen tanzen setzte sie nach. Hui, da musste ich natürlich schon echt ganz schön lange grübeln, so ein tolles Angebot bekomme ich bestimmt so schnell nicht wieder, dachte ich. “Nein, aber vielleicht nächstes mal, danke”, gab ich ihr zu verstehen. Etwas geknickt sah sie aus, als ich ins Taxi einstieg. Die Arme, hat wohl heute noch keine Kundschaft gehabt. Als ich dann den völlig ausgehungerten Taxifahrer sah, wurde mir aber klar, dass sie wohl auch deutlich schlechter dran sein könnte…

Witzig. Als man mich vorhin ausquetschte, was ich heute alles so schönes gemacht habe, hätte ich ja fast vergessen eine klitzekleine Kleinigkeit zu erzählen: mir ist heute Abend eine Sängerin dieses neuen Sugababe-Trios über den Weg gelaufen. Wie es dazu kam ist eigentlich rasch erklärt. Ein Freund meiner Schwester hat eine Nachbarin, dessen Schwester eben besagte Berühmtheit ist, Amelle Berrabah. Unvorbereiteter kann so eine Begegnung einen Menschen wohl gar nicht treffen: ich war gerade dabei einen Couchtisch in die Wohnung dieses Freundes zu tragen, als drei sehr heitere Frauen plötzlich durch die weit offene Tür hinter mir das Zimmer betraten. Ich stand in meinem allerschönsten Touristenoutfit inklusive Badeschlappen etwas verwirrt in der Mitte des Raumes dieser fremden Wohnung und wollte mich erst mal dieses schweren Tisches entledigen, bevor ich die Drei frage, wie ich denn helfen könne. Das kam wohl etwas unhöflich rüber befürchte ich. Die Situation rettete schließlich besagter Freund, der den drei Frauen entgegenkam und ein nettes Gespräch mit dem Sugababe, dessen Schwester und einer Freundin anzettelte. Die völlig unspektakulär aussehende, aber dennoch hübsche Amelle hätte ich niemals erkannt, wenn ich nicht im Vorfeld schon mal eine Geschichte gehört (der ich aber ehrlich gesagt nur wenig Beachtung geschenkt habe – ich mein, Wayne interessiert die Sugababes?) und das Gesprächsthema nicht den Tourplan angerissen hätte. Habe vorhin nochmal nach diesem Mädchen gegoogelt und schnell einen lustigen Artikel gefunden, der sie als streitsüchtige Partycrasherin darstellt. Eigentlich sah sie aber ziemlich harmlos aus und von Staralluren keine Spur. Wie dem auch sei, wir hatten es eilig, was wir den Frauen auch schnell zu verstehen gaben, sodass sich die Begegnung auf zwei mal Händeschütteln, einmal blöd grinsen und ein “it was really nice meeting you” zusammenschrumpfen lässt. Schade, aber vielleicht läuft man sich ja nochmal über den Weg. Ich hatte sowieso andere Sorgen, schließlich hatte ich den ganzen Tag kaum was gegessen und wir wissen ja alle was dann passiert! Wir waren spät dran, zu unserer Verabredung zum mexikanisch essen mit einem weiteren Freund meiner Schwester, Xavier. Nachdem ich meine Reisepläne relative spontan etwas umstrukturieren musste, war Mexiko als Ziel ja nun leider nicht mehr realisierbar. Wenigstens ein mikroskopisch kleines Trostpflaster sollte also das Abendessen bringen, welches wir bei einem echten mexikanischen Restaurant in Dubais Altstadt verbrachten. Auch wenn die Bestellung nicht so einfach war – schließlich kannte kaum einer von uns wirklich den Unterschied zwischen Fajita, Burito, Taco, Tortilla und/oder Enchillada – satt wurden wir dank des traditionell hohen Fettanteils der Speisen irgendwie am Schluss doch alle schneller als uns lieb war. Naja und wenn ich alle sage, dann meine ich natürlich alle bis auf mir. Nur so nebenbei: habe bei diesem Mexikaner den besten Mojito aller Zeiten getrunken! Nächstes mal fällt die Wahl allerdings doch wieder eher auf einen Planet-Hollywood – die Fajitas sind dort meiner Meinung nach unschlagbar… Quadfahren wurde leider auf Samstag verlegt, am Wochenende (startet hier bereits am Donnerstag Abend) ist der Wüstentrip geplant, und ein Abstecher in den Oman. Soweit der Rückblick und soweit auch der Ausblick. Stay tuned!

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