Dubai, Zwischenbericht

Also wie ihr seht bin ich heil in Dubai angekommen. Somit könnt ihr meine letzten Worte getrost vergessen… Man kann sagen die Stadt ist eigentlich ganz genau wie ich sie mir vorgestellt habe, nur noch ein bisschen chaotischer. Das fängt schon am Flughafen an, wo es für die Busse nur einen einzigen Transportweg von den externen Landeplätzen zum Terminal gibt. Da hab ich doch für lächerliche 800 Meter rund eine halbe Stunde gebraucht. Wahrscheinlich wären sogar alle schneller angekommen, wenn sie ihre Koffer mit eigenen Händen aus dem Flugzeug befördert und zu Fuß zum Ausgang gelaufen wären. Dieses Verkehrschaos zieht sich übrigens auch im weiteren Verlauf wie ein roter Faden durch die ganze Stadt, aber dazu später mehr. Nachdem der bereits angenervte Passagier also den Terminal einmal erreicht hat, gilt es die rund eineinhalb Kilometer entfernte Gepäckausgabe zu finden. Ein Blick auf die Uhr: es ist 01:45 AM und ich bin zeitlich noch weit davon entfernt, den Flughafen zu verlassen. Die lustigen Araber haben sich nämlich noch eine witzige Prozedur einfallen lassen, die sich vor allem für einreisende Inder und Pakistanis als eine echte Geduldsprobe entpuppt: die Passkontrolle. Ich kann den Anblick dieser elend langen Schlange um zwei Uhr morgens nicht anders in Worte fassen, als mit “Höllenfuhl”. Hunderte und aberhunderte von indischen Einreisenden stehen hier hintereinander wie Schafe am Schalter an und hoffen endlich mal an die Reihe zu kommen. Wenn jeder nur 40 Sekunden bräuchte, würden sie immer noch Stunden warten. You do the maths… Ich selbst habe zwar mehr Glück, aber nach insgesamt mehr als zehn Stunden Reisezeit, mit Umstieg in Wien, kommen einem selbst 25 Minuten vor wie drei Stunden. Erst nach dem Passport-Check geht es weiter zu den Koffern, die inzwischen schon locker eine halbe Stunde auf dem Laufband ihre Runden ziehen. Etwas verwüstet sieht mein niegelnagelneuer Rucksack aus, aber mit so etwas muss man anscheinend hier rechnen. Ich bin froh, dass er überhaupt angekommen ist…

Meine Schwester, offenbar die einzige weibliche oder zumindest die einzige unverhüllte weibliche Person kommt mir am Ausgang entgegengelaufen. Ein Glück, das Chaos hier und die wartenden Menschenmassen ist Ohren- und Augenbetäubend. Weil ich überhaupt noch keine Anzeichen von Müdigkeit aufweise und meine innere Uhr ja erst zwölf schlägt (da geht der Abend doch eigentlich erst richtig los), geht‘s gleich am ersten Abend schon richtig zur Sache und wir gehen clubben. Da nur in den Hotels der Ausschank von Alkohol gestattet ist, spielt sich eigentlich alles dort ab. Unser Ziel für heute: das Cho Shus. Oder war es Shu Chos oder Chu Chos? Ach, ich weiß es nicht mehr so genau. So ein Laden eben. Dass die Araber nunmal ein merkwürdiges Volk sind, zeigt sich hier erstmals: die Barbesitzer stellen schon um drei Uhr die Stühle hoch. Und wirklich keine Minute später. Und zwar überall und an jedem Abend. An dieser Stelle merkt man schnell, wie sehr Dubai eigentlich arbeitsorientiert ist. Das heißt für uns im Klartext: angekommen, Freunde meiner Schwester begrüßt, zwei Stamperl und einen Vodka-Bull gekippt, kurz smalltalk geführt und ab ins Apartment. Die 0-Promille-Grenze hält einen hier natürlich nicht vom Fahren ab. Es macht sowieso keinen unterschied, ob die Leute was getrunken haben oder nicht. So spektakuläre Fahrmanöver wie hier sehe ich sie eigentlich nur bei “Alarm für Cobra 11”. Wirklich unglaublich! Passend dazu hat sich natürlich meine Schwester einen entsprechenden Fahrstil angewöhnt (auch ganz ohne Alkoholeinfluss), inklusive dem obligatorischen Fluchen und Schreien am Steuer. Ich weiß nicht genau an welcher Stelle ich die folgende Beobachtung am besten einbauen sollte, deswegen am besten einfach hier: nach knapp zwei Tagen hier fällt mir stark auf, wie unfreundlich vor allem die Europäer zu den ansässigen Bewohnern sind. Ich rede natürlich nicht von den Scheichs oder Arabern, denn von denen ist hier weit und Breit keine Spur. Habe von daher auch eher das Gefühl in Indien zu sein. Als ich meiner Schwester gegenüber einen Kommentar zu dieser unfreundlichen Art der Menschen hier abließ, wurde mir zu verstehen gegeben, dass ich mich daran schon noch gewöhnen würde. Die Leute hier seien nunmal so Begriffsstutzig, da würde einem irgendwann die Geduld platzen.

Generell ist die Stimmung hier sehr zwigespalten. Ich glaube das hat etwas damit zu tun, dass jeder hier die Stadt irgendwie hasst. Jeder weiß, dass er nur für eine begrenzte Zeit in Dubai bleiben wird und hier nur zum arbeiten ist. Die Stadt selbst macht es einem tatsächlich auch nicht einfach freundlich zu bleiben: der zähe Baulärm und passende Baustellen, wohin das Auge auch blickt. In nur fünf Jahren hat man hier ganze Viertel errichtet, ganz zu schweigen von den berühmten künstlichen Inseln nahe der Küste. Ich würde gerne mal erfahren, wer eigentlich dieses Genie war, der es nicht für nötig gehalten hat Straßennamen einzuführen. Wer hier nicht ortskundig ist und das Taxi nimmt, verzweifelt an den ebenso wenig ortskundigen Taxifahrern. Fußwege gibt es nicht, Fahrradfahren ist so gut wie unmöglich. Wanderbaustellen machen es den Autofahrern auch dann nicht gerade leicht ans Ziel zu kommen, wenn sie die Stadt (die mir im Übrigen ziemlich klein vorkommt) wie ihre Westentasche kennen. Und weil ich schon beim Thema bin: die Autos hier sind das reinste Disneyland für Autonarren. Flo und Andi, ihr hättet hier wirklich euren Spaß. Nur mit Ausfahren ist hier nichts, bei 120 piepst das Auto wild und panisch. Absolutes Limit in der Innenstadt. Äh ja, ihr habt schon richtig gelesen: in der Innenstadt fährt man sowas schon mal. Was das Klima anbelangt, so ist es hier mit 39 Grad noch reeelativ angenehm. Irgendwie scheint auch ein milder Dunst über der Stadt zu liegen, den ich, wenn ich es nicht besser wüsste, als Smog bezeichnen würde. Nachts kann es hier im Sommer übrigens schon mal locker 40 Grad haben, wurde mir gesagt. Da bin ich ja froh, dass die Stadt von Swimmingpools geradezu übersät ist. Jedes Anwesen hat eigentlich einen Gemeinschaftspool – wirklich eine nette Sache. Meine Schwester für ihren Teil wohnt im 22. Stock eines Hochhauses mit Blick aufs Meer bzw. die Marina. Wirklich ein tolles Apartment, sehr zu beneiden. Ich schätze die Wohnung mal auf 140 Quadratmeter, Caroline meint nur, sie wisse es nicht genau. Wie bescheiden. Auch hier gibt es einen netten Pool auf der Terrasse im dritten Stock, inklusive Fitnessbereich. Hier könnte man es sich eigentlich schon eine Zeit lang gut gehen lassen, wenn man nicht ununterbrochen arbeiten müsste, um sich den Luxus überhaupt leisten zu können.

Apropos, heute habe ich einen kleinen Trip ins Emirates Mall gestartet. Das ist die berühmte geschlossene Einkaufsmeile, mit der angrenzenden Skipiste. Ein wirklich gigantisches Konstrukt, mit derlei vielen tollen Geschäften, dass ich für einen kurzen Augenblick bereit war meinen restlichen Urlaub über den Haufen zu werfen und meiner Kaufsucht zu verfallen. Blöde Konsumgesellschaft… Und dann sind auch noch Frühlingsschlussverkäufe! Wenn doch mein Rucksack nicht nur schon so voll wäre. Wer hier Geld hat kann problemlos über Wochen hinweg in jedes Geschäft gehen und hat selbst dann noch immer nicht alles gesehen. Bis auf Elektronikartikel und DVDs ist hier eigentlich alles relativ günstig, im direkten Vergleich mit Deutschland. Man zahlt ja auch keine Steuern. Ganz offiziell versteht sich. Habe die Gunst der Stunde natürlich doch genutzt und mir eine Digicam gekauft. Jetzt kann ich euch (wenn der Akku endlich mal fertig laden würde) endlich auch mit ein paar Schnappschüssen versorgen. Ich halte auch schon die ganze Zeit Ausschau nach Postkarten. Aber ich glaube so etwas wie ein Postsystem gibt es hier ohnehin nicht. Gestern und heute war mehr oder minder chillen angesagt, ab übermorgen wird es etwas abenteurlicher: Quadfahren und eine Wüstentour stehen auf dem Programm. Heute Abend geht es natürlich nochmal in einen Club. Das war‘s jetzt erstmal von meiner Seite. Wenn ihr noch Fragen habt, dann kann ich euch jetzt auch nicht helfen.

Schoene Grüße, Philipp

P.s.: wo ist eigentlich die Schlusskorrektur, wenn man sie mal braucht? Freddi, sag mal der Gundel bescheid, die soll mal nen Blick hier draufschmeißen! 😉

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