Lava’s house

Island ist ganz schön en Vogue: Oblivion, NOA, Secret Life of Walter Mitty. Aber auch Game of Thrones und Prometheus. Sie alle zeigen uns die größte Vulkaninsel der Welt von ihrer schönsten Seite. Quasi als Einziger noch nicht dort gewesen zu sein konnte ich logischer Weise nicht weiter auf mir sitzen lassen. Zumal ich die nächsten 18 Monate auf der Südhalbkugel verbrinen werde und noch ein letztes Mal Nordluft schnuppern möchte.

Per Airberlin, die derzeit herausragend günstige Angebote nach Reykjavik haben, geht es daher für knapp 16 Tage rüber. Das sollte ja nun reichen, um die Insel ausführlich zu erforschen. Gleich nach der Landung um Mitternacht der erste Kulturclash: es ist Taghell! Vom Flughafen zu meinem Hostel fahre ich nochmals rund eine Stunde und schaue nochmals verwirrt auf die Uhr. Ist die Zeitumstellung auf dem iPhone schon aktiviert? Immer noch: Taghell. Ich gehe ins Bett, schaue aus dem Fenster und immer noch scheint es, als sei es spät Nachmittags um 6. Habe ich zwar erwartet, es aber dann doch so zu erleben ist absolut verblüffend. Man fühlt sich, als könne man um 23 Uhr noch mal eben kurz Mittagessen gehen – wenn doch nur die bayerischen Ladenöffnungszeiten mitspielten…

Am nächsten Tag zieht es mich zum Bummeln in die Innenstadt und ich buche im Outdoor-Laden von Nebenan zielstrebig die erste Tour: “Inside the Volcano” ziert die Schlagzeile den Flyer. Trifft sich gut, ich wollte schon immer Mal in so einen Vulkan spazieren. Und dass sich in besagtem Exemplar keine tödliche Lava befindet macht es ungemein angenehmer. Spontan lässt sich für den Nachmittag noch eine Tour vereinbaren, schwupps sitze ich eine Stunde später im Bus zum 30 Minuten entfernten Ðrihnúkagigur (gesprochen so etwas wie Thrynuhkagiguhr). Am Rastplatz angekommen wandern wir nochmals 45 Minuten zum Basecamp, wo uns ein japanisches Filmteam entgegenkommt. Und irgendwas von National Geographic hatte ich vorhin im Bus auch schon gehört. Hab ich was verpasst? Hätte wohl besser zuhören sollen. Denn, der relativ frisch entdeckte Vulkanschlot ist der einzig begehbare Vulkanhohlraum der Welt. Erst vor zwei Jahren machte der Touranbieter den Krater für die Öffentlichkeit zugänglich, einer der ersten 2000 Menschen sei ich, die dieses geheimisvolle Naturschauspiel begutachten dürfen. Über den Krater werden wir mit einer offenen Gondel langsam und effektvoll 120 Meter tief in den Vulkan abgelassen. Gleich von Beginn an erkennt man die verschiedenen Mineralablagerungen, die sich über die Jahrtausende an den Wänden verewigt haben und dem Auge nun ein buntes und sensationelles Farbspiel bieten. An der iPhone-Dropzone angekommen, steigen wir aus dem Lift und begutachten Ðrihnúkagigur, der uns schweigend in seine Seele blicken lässt. Ganz andächtig wird die Stimmung hier drin und verrückt, wie ruhig es ist – vor allem, wenn man bedenkt, dass hier einst tausende Grad heiße Lava mit unvorstellbarer Kraft aus dem Schlot geschossen wurde, es überall brodelte und kochte und die Erruptionen noch Kilometerweit zu hören waren. Heute sind es rund vier Grad in der bunten Höhle, wie ein großer Kühlschrank wirkt das von der Decke tropfende Gestein. Nur ohne Lebensmittel. Und ich habe hunger. Umso mehr freue ich mich auf die wirklich leckere Suppe, die uns das Team im Basecamp zum Abendessen serviert. Mit vollem Magen und unvergesslichen Erinnerungen geht es zurück in die Stadt. Schnell nächste Tour buchen: Reiten.

Um acht in den Kleinbus, auf dem Weg zur Ranch denke ich an all die coolen Cowboyfilme und was mich dort wohl erwaten wird. Dann poppt Bibi und Tina auf dem Reiterhof in meinem Kopf auf und ich richte meinen Blick sofort wieder auf das tatsächliche Geschehen: als wir an der Koppel vorbei fahren laufen uns die ersten vorfreudigen Isländer (Pferde) entgegen. Wir satteln auf und ich bekomme eine kleine Einweisung – na endlich bringt mir das einer Mal bei. Meine letzten Pferde waren alle automatik, von daher musste ich nicht viel machen. Jetzt darf ich endlich eigenständig zwischen den Gangarten schalten. Und das Besondere: Islandpferde haben als einzige Pferde der Welt einen fünften Gang. Perfekt an die Umwelt angepasst, haben sie somit auch auf sehr steinigem Gelände perfekte Traktion und Kontrolle über ihre Pferdestärke. Der Vorteil für den Reiter: er hoppelt beim zügigen Vorwärtsschreiten nicht so blöd wie ein Kanninchen auf Drogen auf dem Rücken des Pferdes herum, sondern liegt relativ smooth auf gleicher Ebene in der Luft. Durch die kleinen, künstlich angelegten Tannenwälder (es gibt auf Island praktisch keine Bäume, dafür bläst der Wind zu stark und zu permanent. Daher lässt die Regierung regelmäßig Bäume pflanzen…) die Hochebenen entlag, vorbei an szenische Wasserfälle und moosbedeckte Hügel. Überhaupt ist Island ja das Land des Moses (haha): nirgendwo sonst blüht das flauschige Grün so dicht und dick, wie hier. Der rund zweistündige Ausritt gipfelt an den nahegelegenen heißen Quellen, wo große Dampfwolken uns schon von Weitem begrüßen. Ein kleiner Bach wird von den herabfließenden Wassern befüllt und läd zu einem heißen Bad ein. Man muss nur aufpassen, wo man sich reinlegt: nicht selten kommt eine vergleichsweise heiße Welle herabgeflossen oder unter einem tut sich Zentimeter kleine Löcher auf, die Wasser aus dem Grund freisetzen. Das heiße Wasser ist – vor allem für ungeübte Reiter – eine wahr Wohltat für die Arschbacken. Völlig relaxed wird mein Pferd þremöhl neu besattelt und es geht zurück zur Ranch. Und weil das Wetter es heute nur allzu gut mit uns meinte, bekommen wir auf den letzten Metern noch strömenden Regen ab. Doch wir lautet das alte isländische Sprichwort?: Wenn dir das Wetter nicht passt, dann warte halt ne Minute. So wechselhaft ist das Wetter hier, dass man den Wetterbericht in etwa mit der Ziehung von Lottozahlen vergleichen kann.

Was mich gleich zum nächsten Thema bringt: Tag drei gehe ich Tauchen. Und zwar im weltberühmten Silfra – einem Tauchspot, der sich zwischen den zwei auseinanderdriftenden Kontinentalplatten zentral im Inland der Insel befindet. Das Erlebnis steht und fällt zwar nicht mit guten Wetter, aber es ist definitv angenehmer mit Sonne zu tauchen. Mit zwei Grad Wassertemperatur werden die beiden Tauchgänge nämlich zum Extrem: ohne Trockentauchanzug inklusive warmen Unterklamotten übersteht der Mensch die Kälte keine zwei Minuten. Ich wollte schon immer Mal Eistauchen und bekomme in hier schonmal einen kleinen Vorgeschmack: 100-150 Meter Sichtweiten sind hier ganz normal. Durch die gewaltigen Felspalten zu tauchen ist tatsächlich einer der schönsten Nicht-Freiwassertauchgänge, die ich je gemacht habe. Dass uns alle paar Minuten die Sonne mit wundervollen Strahlen beehrt, die durch die tiefblaue Wasser wie durch ein Prisma gebrochen werden, zaubert ein weiteres Strahlen, diesmal auf mein Gesicht. Gut, also ich versuchs jedenfalls, mein Gesicht ist natürlich völlig zugefroren und erlaubt mir selbst an Land erstmal ein paar Minuten keine Regung. Ich lege mich also auf einen Holztisch, schließe die Augen und genieße die wärme der Sonne. Keine zwei Minuten später gesellen sich Regentropfen und eine kühle Brise dazu.

Das kleine Zwischenfazit nach drei prall gefüllten Tagen: wahnsinn! Ich gebe 5 von 5 Sternen.

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